Eingliederung im Fokus
Anfang 2022 trat die Weiterentwicklung IV in Kraft. Sie führt den eingeschlagenen Weg der vorherigen IV-Revisionen konsequent weiter. Eingliederung vor Rente heisst das Ziel. Die Weiterentwicklung fokussiert dabei auf Jugendliche, junge Erwachsene und psychisch Erkrankte.
Das wichtigste Ziel der Weiterentwicklung IV ist die erfolgreiche Eingliederung in den Arbeitsmarkt von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und psychisch Erkrankten. Dazu wurden die Früherfassung und Eingliederungsmassnahmen ausgeweitet, die Betreuung ausgebaut und ausserdem die Koordination mit allen am Prozess beteiligten Partnern verbessert. Was heisst das konkret?
Kein einfacher Start
Ihre Lehre begann sie 2019 voller Motivation. Doch eine Essstörung sowie ihre hohen Erwartungen an sich selbst machten ihr zunehmend zu schaffen. «Ich war sehr perfektionistisch veranlagt. Ich war immer gut in der Schule, aber für mich war es nie gut genug. Das hat mich enorm unter Druck gesetzt», erklärt Mariem Almohana. Es folgten lange Ausfälle und mehrere Klinikaufenthalte. «Irgendwann hatte ich einfach keine Energie mehr», fügt sie hinzu. Schliesslich kamen auch noch familiäre Konflikte dazu.
Im Lehrbetrieb sei sie irgendwann nur noch als «die mit den Problemen» wahrgenommen worden. «Das war belastend und es war mir unangenehm», fasst Mariem Alomohana zusammen. Zudem verpasste sie viel Unterrichtsstoff. Sie entschied sich für einen sechsmonatigen Klinikaufenthalt. Dieser hatte aber auch zur Folge, dass ihr Lehrverhältnis beendet wurde.
Ein anschliessendes Praktikum in einem neuen Betrieb verlief enttäuschend. «Es fehlte an Verständnis, ich habe mich nicht wohl gefühlt», sagt sie rückblickend. Bald ging es ihr gesundheitlich wieder schlechter. Ihr wurde bewusst, dass sie die anstehenden Abschlussprüfungen – mittlerweile war sie bereits im dritten Lehrjahr – unter den gegebenen Umständen nicht meistern würde. Gemeinsam mit ihrem Coach Sandro Imfeld – der von der IV beauftragt und finanziert wurde – entschied sie sich, die Lehre abzubrechen und sich erneut in Therapie zu begeben.
Der Aufenthalt in der Frauenklinik und der Umzug in ein betreutes Wohnen markierten einen Wendepunkt. Der räumliche und emotionale Abstand half, neue Kraft zu schöpfen.
Patricia Oberle, Eingliederungsberaterin bei der IV-Stelle Zug, und Abram Kaufmann im Gespräch
Vom unkomplizierten Einstieg zur Erfolgsgeschichte
Mit der Anmeldung bei der IV begann ein Prozess, der vieles veränderte und ins Rollen brachte. Eine zentrale Rolle spielte das von der IV finanzierte Jobcoaching. Gemeinsam mit Coach Dominik Styger begann Herr Kaufmann, seine Situation Schritt für Schritt neu zu ordnen. «Wir haben wirklich bei Null angefangen. Er hat mich sozusagen an die Hand genommen und Struktur in meinen Alltag und die einen Plan für die wichtigsten zu erledigenden Dinge mit mir erstellt», führt er aus. Neben der beruflichen Perspektive wurde auch die medizinische Situation geklärt. Die Depression wurde diagnostiziert und brachte Klarheit, eine Therapie und Medikation sorgten für eine erste Stabilisierung. Die zusätzliche Diagnose ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) hat ihm geholfen, sich selbst besser zu verstehen und gezielter damit umzugehen.
Ich stehe wieder auf eigenen Beinen – finanziell und gesundheitlich.
Ein erster wichtiger Schritt zurück in den Alltag war ein Arbeitstraining bei einem grossen Automobilhändler. Die Tätigkeit gab ihm Struktur, das neue Team Halt. «Es tat gut, wieder in einen geregelten Arbeitsrhythmus zu kommen», fasst er zusammen. Das Pensum konnte schrittweise auf 100 Prozent erhöht werden und zunächst schien der Weg in eine Festanstellung greifbar. Doch trotz beherztem Einsatz und positiver Rückmeldungen in Bezug auf seine Leistung blieb die erhoffte Perspektive aus. Die Situation wurde zunehmend belastend – auch finanziell. Als das Programm Ende 2024 auslief, war das ein spürbarer Rückschlag.
Neue Stabilität im Umgang mit Rückschlägen
Früher hätte ihn eine solche Situation wohl komplett aus der Bahn geworfen. Doch diesmal war etwas anders. Die kontinuierliche Begleitung durch Coach und IV, die Therapie und die dadurch neu gewonnene Stabilität halfen ihm, am Ball zu bleiben. Er machte sich erneut auf Jobsuche – und fand schliesslich eine neue Stelle als Monteur und Allrounder in einem kleinen Betrieb für Oldtimer-Restaurationen.
Auch Patricia Oberle sieht darin einen entscheidenden Punkt: «Damals stellte sich die Frage, ob der letzte Ausweg nun der Rückzug in die Arbeitsunfähigkeit ist. Aber Herr Kunz hatte bereits neue Erfahrungen gesammelt, ist daran gewachsen – und konnte mit dieser Herausforderung gut umgehen.»
Die Arbeit ist vielseitig, manchmal anspruchsvoll – und genau das macht für ihn den Reiz aus. «Es ist sehr schön zu sehen, wie man alte Fahrzeuge wieder zum Leben erwecken kann», beschreibt er seine Tätigkeit. Auch persönlich hat sich viel verändert: «Ich stehe wieder auf eigenen Beinen – finanziell und gesundheitlich.»
Ich habe ein Fundament, das mich trägt und auf das ich bauen kann
Die Arbeit ist vielseitig, manchmal anspruchsvoll – und genau das macht für ihn den Reiz aus. «Es ist sehr schön zu sehen, wie man alte Fahrzeuge wieder zum Leben erwecken kann», beschreibt er seine Tätigkeit. Auch persönlich hat sich viel verändert: «Ich stehe wieder auf eigenen Beinen – finanziell und gesundheitlich.»
Ganz ohne Herausforderungen ist sein Alltag nicht. Die Aufarbeitung seiner Vergangenheit dauert an, und auch im Berufsleben gibt es Situationen, die ihn fordern. Doch im Vergleich zu früher hat sich etwas Entscheidendes verändert. «Ich habe ein Fundament, das mich trägt und auf das ich bauen kann», fasst er es zusammen. Rückschläge gehören zum Leben dazu – aber sie werfen ihn nicht mehr aus der Bahn.
Ganz ohne Herausforderungen ist sein Alltag nicht. Die Aufarbeitung seiner Vergangenheit dauert an, und auch im Berufsleben gibt es Situationen, die ihn fordern. Doch im Vergleich zu früher hat sich etwas Entscheidendes verändert. «Ich habe ein Fundament, das mich trägt und auf das ich bauen kann», fasst er es zusammen. Rückschläge gehören zum Leben dazu – aber sie werfen ihn nicht mehr aus der Bahn.
Für Abram Kaufmann ist klar: Der Weg zurück in die Arbeitswelt war nur möglich dank eines Zusammenspiels verschiedener Faktoren. Medizinische Unterstützung, persönliches Coaching und konkrete berufliche Integrationsmöglichkeiten waren für ihn die richtige Kombination aus Massnahmen.
Man darf nie aufgeben. Es gibt immer Möglichkeiten, immer wieder Türen, die sich öffnen und das Leben lebenswert machen.
Sein Blick richtet sich heute nach vorne. Grosse Sprünge vermeidet er bewusst. «Ich will keine Luftschlösser bauen. Ich gehe Schritt für Schritt vorwärts», erklärt er ruhig. Neben der Stabilisierung im aktuellen Job gibt es auch neue Träume, etwa ein mögliches Engagement im Medienbereich – ein lang gehegter Wunsch.
Was er anderen Menschen in ähnlichen Situationen mitgeben möchte, bringt er einfach auf den Punkt: «Man darf nie aufgeben. Es gibt immer Möglichkeiten, immer wieder Türen, die sich öffnen und das Leben lebenswert machen. Und es ist in Ordnung, sich Hilfe zu holen.»
Seine Geschichte zeigt: Der Weg zurück ins Arbeitsleben ist selten geradlinig. Abram Kaufmann zeigt, dass er sich dennoch lohnt – Schritt für Schritt.
Wir sind für Sie da, wenn gesundheitliche Probleme Ihre Arbeitsfähigkeit beeinflussen. Wir verfolgen den Grundsatz «Eingliederung vor Rente». Unser oberstes Zielt ist es, Sie im Arbeitsmarkt erfolgreich einzugliedern. Wir unterstützen Sie in diesem Prozess mit verschiedenen Massnahmen. Wenn Sie trotz Eingliederungsmassnahmen ganz oder teilweise erwerbsunfähig bleiben, prüfen wir den Anspruch auf eine IV-Rente.