Schritt für Schritt zurück in den Beruf

Von der Krise zurück in den Arbeitsalltag: Abram Kaufmann hat mit Unterstützung der IV Schritt für Schritt neuen Halt gefunden. Seine Geschichte zeigt, wie aus einer schwierigen Ausgangslage durch gezielte Begleitung und eigene Entschlossenheit wieder Perspektiven entstehen können.

Als Abram Kaufmann an das Jahr 2023 zurückdenkt, beschreibt er eine persönliche Krise. «Ich war auf dem Tiefpunkt meiner Depression», sagt er offen. Er erlebte dunkle Phasen, begleitet von Suizidgedanken – ein Moment, der ihn selbst erschreckte und gleichzeitig einen Wendepunkt markierte. «Da habe ich die Notbremse gezogen und nach jedem Strohhalm gegriffen», erinnert er sich. Einer dieser Strohhalme war die Anmeldung bei der IV, die er von sich aus tätigte.

Der erste Schritt ist getan

Patricia Oberle, Eingliederungsberaterin bei der IV-Stelle Zug, übernahm damals den Fall Kaufmann. Sie erinnert sich gut an diese erste Phase: «Sie waren damals wie ein Häufchen Elend, man hat gemerkt, dass es Ihnen nicht gut ging. Eine echte Perspektive schien damals noch weit weg.»

Abram Kaufmann lebte zurückgezogen, arbeitete in einem kleinen Pensum als Pizzakurier und hatte kaum soziale Kontakte. Hilfe anzunehmen fiel ihm schwer – geprägt durch persönliche und familiäre Erfahrungen. «Bei uns zuhause galt das früher als Schwäche», erklärt er rückblickend.

Kaufmann Oberle

Patricia Oberle, Eingliederungsberaterin bei der IV-Stelle Zug, und Abram Kaufmann im Gespräch

Wieder Fuss im Beruf fassen

Mit der Anmeldung bei der IV begann ein Prozess, der vieles veränderte und in Bewegung brachte. Eine zentrale Rolle spielte das von der IV finanzierte Jobcoaching. Gemeinsam mit Coach Dominik Styger begann Herr Kaufmann, seine Situation Schritt für Schritt neu zu ordnen. «Wir haben wirklich bei Null angefangen. Er hat mich sozusagen an die Hand genommen, Struktur in meinen Alltag gebracht und einen Plan für die wichtigsten zu erledigenden Dinge mit mir erstellt», führt er aus.

Neben der beruflichen Seite wurde auch die medizinische Situation geklärt. Die Depression wurde diagnostiziert und brachte Klarheit, eine Therapie und Medikation sorgten für eine erste Stabilisierung. Die zusätzliche Diagnose ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) hat ihm geholfen, sich selbst besser zu verstehen und gezielter damit umzugehen.

Ich habe ein Fundament, das mich trägt und auf das ich bauen kann.

Ein erster wichtiger Schritt zurück in den Alltag war ein Arbeitstraining bei einem grossen Automobilhändler. Die Tätigkeit gab ihm Struktur, das neue Team Halt. «Es tat gut, wieder in einen geregelten Arbeitsrhythmus zu kommen», fasst er zusammen. Das Pensum konnte schrittweise auf 100 Prozent erhöht werden und zunächst schien der Weg in eine Festanstellung greifbar. Doch trotz beherztem Einsatz und positiver Rückmeldungen in Bezug auf seine Leistung blieb die erhoffte Perspektive aus. Die Situation wurde zunehmend belastend – auch finanziell. Als das Programm Ende 2024 auslief, war das ein spürbarer Rückschlag.

Kaufmann 1

Neue Stabilität im Umgang mit Rückschlägen

Früher hätte ihn eine solche Situation wohl aus der Bahn geworfen. Doch diesmal war etwas anders. Die kontinuierliche Begleitung durch Coach und IV, die Therapie und die dadurch neu gewonnene Stabilität halfen ihm, am Ball zu bleiben. Er machte sich erneut auf Jobsuche – und fand schliesslich eine neue Stelle als Monteur und Allrounder in einem kleinen Betrieb für Oldtimer-Restaurationen.

Auch Patricia Oberle sieht darin einen entscheidenden Punkt: «Damals stellte sich die Frage, ob der letzte Ausweg nun der Rückzug in die Arbeitsunfähigkeit ist. Aber Herr Kaufmann hatte bereits neue Erfahrungen gesammelt, ist daran gewachsen – und konnte mit dieser Herausforderung gut umgehen.»

Ich stehe wieder auf eigenen Beinen – finanziell und gesundheitlich.

Die Arbeit ist vielseitig, manchmal anspruchsvoll – und genau das macht für ihn den Reiz aus. «Es ist sehr schön zu sehen, wie man alte Fahrzeuge wieder zum Leben erwecken kann», beschreibt er seine Tätigkeit. Auch persönlich hat sich viel verändert: «Ich stehe wieder auf eigenen Beinen – finanziell und gesundheitlich.»

Ganz ohne Herausforderungen ist sein Alltag nicht. Die Aufarbeitung seiner Vergangenheit dauert an, und auch im Berufsleben gibt es Situationen, die ihn fordern. Doch im Vergleich zu früher hat sich etwas Entscheidendes verändert. «Ich habe ein Fundament, das mich trägt und auf das ich bauen kann», fasst er es zusammen. Rückschläge gehören zum Leben dazu – und er kann sie annehmen.

Kaufmann 2

Für Abram Kaufmann ist klar: Der Weg zurück in die Arbeitswelt war nur möglich dank eines Zusammenspiels verschiedener Faktoren. Medizinische Unterstützung, persönliches Coaching und konkrete berufliche Integrationsmöglichkeiten waren für ihn die richtige Kombination aus Massnahmen.

Man darf nie aufgeben. Es gibt immer Möglichkeiten, immer wieder Türen, die sich öffnen und das Leben lebenswert machen.

Sein Blick richtet sich heute nach vorne. Grosse Sprünge vermeidet er bewusst. «Ich will keine Luftschlösser bauen. Ich gehe Schritt für Schritt vorwärts», erklärt er ruhig. Neben der Stabilisierung im aktuellen Job gibt es auch neue Träume, etwa ein mögliches Engagement im Medienbereich – ein lang gehegter Wunsch.

Was er anderen Menschen in ähnlichen Situationen mitgeben möchte, bringt er einfach auf den Punkt: «Man darf nie aufgeben. Es gibt immer Möglichkeiten, immer wieder Türen, die sich öffnen und das Leben lebenswert machen. Und es ist in Ordnung, sich Hilfe zu holen.»

Seine Geschichte zeigt: Der Weg zurück ins Arbeitsleben ist selten geradlinig. Abram Kaufmann beweist, dass er sich dennoch lohnt – Schritt für Schritt.

Wir sind für Sie da, wenn gesundheitliche Probleme Ihre Arbeitsfähigkeit beeinflussen. Wir verfolgen den Grundsatz «Eingliederung vor Rente». Unser oberstes Zielt ist es, Sie im Arbeitsmarkt erfolgreich einzugliedern. Wir unterstützen Sie in diesem Prozess mit verschiedenen Massnahmen. Wenn Sie trotz Eingliederungsmassnahmen ganz oder teilweise erwerbsunfähig bleiben, prüfen wir den Anspruch auf eine IV-Rente.

Hier finden Sie weitere Informationen über die Früherkennung und die berufliche Integration für Erwachsene.